Ironie des schicksals online dating


17-Nov-2017 11:57

Hört man sich um, klagen die meisten Online-Dating-Nutzer von einer bindungslosen Dating-Sucht, die zu kuriosen Begegnungen, nur nicht zu einer stabilen Beziehung führt.Gerade in New York City, wo die Möglichkeiten grenzüberschreitend sind, wird die Vielfalt potenzieller Partner zum Teufelskreis der Optionen.Als Robert Musil 1913 den Aufsatz «Der mathematische Mensch» schrieb, hätte er sicher nicht wissen können, dass sein Text nicht nur die Technologisierung der Moderne voraussagt, den Zuwachs von Statistiken und algorithmischen Prognosen, die heute unsere Wirklichkeit bestimmen und bis in die kleinsten Verästelungen des Finanzkapitalismus reichen.Er hat auch nolens volens eine Prophezeiung für das menschliche Begehren gemacht, das sich immer konsequenter mathematischer Berechnungen bedient. Gemeint ist natürlich Online-Dating, das in Mitteleuropa noch in den Kinderschuhen steckt.

Wenn die Zeit knapper wird, ist Online-Dating das ideale Medium, um sich kennenzulernen.

Ein Faktor, der sowohl den Finanzkapitalismus als auch die Liebeskultur von jeglicher Bindung entwurzelt, ist knapper werdende Zeit.

Dadurch, dass gefühlte Zeit immer schneller abzulaufen scheint und damit die Stabilität menschlicher Verhältnisse aus den Fugen wirft (Moden und Trends wechseln immer rasanter), stellt sich eine Orientierungslosigkeit ein, deren Sogkraft die Glücksuchenden in einen Zaudern-Modus wirft: Die ultimative Entscheidung wird fortwährend vertagt.

Anders ausgedrückt: Jedes nächste Date könnte besser sein als das erste.

Deswegen arrangieren junge New Yorker oftmals gleich zwei Dates an einem Abend; ziehen von der Lower East Side nach Brooklyn zum nächsten Rendez-vous, um so viele Treffen wie möglich in den engen Freizeitplan zu stopfen.

Online-Dating scheint das ideale Instrument zu sein, um den Traumpartner zu finden.